Deutschland wird Letzter beim EPFA Nations Cup 2025

Die deutsche Nationalmannschaft belegte beim EPFA Nations Cup 25, welcher vom 17. bis 25. September im italienischen Lignano Sabbiadoro ausgetragen wurde, den letzten Platz. Dabei musste die sehr junge Mannschaft von Nationaltrainer Nuri Onanmis einiges an Lehrgeld zahlen, konnte aber auch wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen für die Zukunft sammeln. Mit vier Spielern unter 18 Jahren, ging das Team als Jüngstes in das qualitativ hoch besetzte Turnier. Zudem hatte man in der Gruppe A mit Weltmeister Frankreich, Belgien, Nordirland und Spanien starke Gegner.

Das Deutschland nicht um den Turniersieg mitspielen würde, stand eigentlich schon vor Turnierbeginn aufgrund der starken Konkurrenz fest. Heimlich schaute man auf Rang fünf, welcher zur Qualifikation zur Weltmeisterschaft im nächsten Jahr gereicht hätte. Um diesen zu erreichen, sollte zum Auftakt gegen Belgien ein gutes Ergebnis herausspringen. Doch bereits in der Anfangsphase fälschte Kapitän Marco Rollmann den Ball maximal unglücklich ins eigene Tor ab. In Folge gelang Deutschland offensiv nicht viel. Die zweite Hälfte war ein Spiegelbild des ersten Durchgangs. Abermals unterlief dem Team früh ein Eigentor, dieses Mal durch Danil Olekh. Die Belgier verwalteten den Vorsprung geschickt, ohne dabei groß zu glänzen und so siegten sie mit 2:0.

Im nächsten Gruppenspiel ging es gegen Nordirland, die bereits bei der vergangenen Weltmeisterschaft 2023 in Australien dabei waren. Wollte man das Halbfinale erreichen, war ein Sieg hier Pflicht. Schnell machten die Briten klar, dass sie ihrer Favoritenrolle gerecht werden würden. Insbesondere bei Standards zeigten sie ihre Qualitäten und führten bereits zur Halbzeit mit 3:0. Neu sortiert wollte das deutsche Team in der zweiten Halbzeit noch einmal alles in die Waagschale werfen, doch wieder waren die Eckbälle der Nordiren zu stark. In einem einseitigen Spiel gewann Nordirland schließlich überzeugend mit 6:0.

 Auch im dritten Gruppenspiel sollte für die deutsche Nationalmannschaft nichts zu holen sein. Gegen den zweimaligen Weltmeister Frankreich wollte man sich aber achtbar aus der Affäre ziehen und versuchen den Favoriten ein kleines bisschen zu ärgern. Doch wie in den beiden Partien zuvor sorgte ein frühes Gegentor dafür, dass der Matchplan über den Haufen geworfen wurde. Frankreich hingegen zeigte mit tollen Passstafetten wie schön E-Rollstuhl Fußball aussehen kann. Und dass sie nicht nur hervorragend den Ball laufen lassen, sondern auch Tore schießen können, bewiesen die Franzosen eindrucksvoll beim 10:0 Erfolg.

Dennoch bestand, trotz der drei Niederlagen zuvor, die Möglichkeit sich mit einem Sieg über Spanien noch ein Ticket für die kommende Weltmeisterschaft zu sichern. Zuletzt konnte man Spanien zweimal schlagen und so ging man optimistisch und siegessicher in die Begegnung. Doch wieder musste man trotz Feldvorteilen ein frühes Gegentor hinnehmen. Doch im Vergleich zu den ersten Spielen konnte man hier auch offensiv Akzente setzen, wenngleich die Chancen ungenutzt blieben. Im zweiten Spielabschnitt verteidigten die Iberer besser und hielten Deutschland weitestgehend vom eigenen Tor fern. Die Zeit verrannte und schließlich gingen die Deutschen volles Risiko. Eiskalt trafen  die Spanier in das nun verwaiste Tor zum 2:0 Endstand und folglich beendete Deutschland die Gruppenphase sieg- und torlos auf dem letzten Platz.

Statt die Chance auf ein Ticket zur Weltmeisterschaft im nächsten Jahr, blieb also nur das Spiel um Platz neun gegen Schottland, die ebenfalls alle Spiele in der Vorrunde verloren und keinen Treffer erzielen konnten. Endlich einmal musste das deutsche Team kein frühes Gegentor hinnehmen und auch offensiv präsentierte man sich deutlich verbessert. Und in der 16. Spielminute war es dann endlich soweit. Eine unpräzise schottische Flanke wurde von Efekan Onanmis per Direktabnahme über das komplette Spielfeld geschossen, küsste den Innenpfosten und überquerte die gegnerische Torlinie. Ein geschichtsträchtiger Moment für das deutsche E-Rollstuhl Fußball, das seinen ersten Treffer bei einer Europameisterschaft überhaupt feiern durfte. Leider hielt die Freude nicht lange und die Schotten egalisierten die Führung noch vor dem Halbzeitpfiff. Auch im zweiten Abschnitt schenkten sich beide Mannschaften nichts, doch Schottland nutze einen weiteren Abwehrfehler gekonnt aus. Den Rückstand konnte Deutschland trotz einiger Gelegenheiten nicht mehr aufholen und so verlor man auch sein letztes Spiel mit 1:2.

Damit belegt Deutschland Platz zehn bei dieser Europameisterschaft. „Leider haben einige Dinge bei uns nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben und natürlich haben die ersten Ergebnisse auch nicht unbedingt zum Selbstbewusstsein beigetragen. Wir haben es einfach nicht geschafft uns aus dieser Negativspirale zu befreien und waren oft unser größter Gegner. Wir müssen nun die Fehler aufarbeiten und die richtigen Schlüsse ziehen“, sagt Nationaltrainer Nuri Onanmis. Team Manager Jörg Diehl ergänzt: „Sich überhaupt für die Europameisterschaft qualifiziert zu haben ist bereits ein Erfolg! Wir gehören zu den zehn besten Nationen im E-Rollstuhl Fußball in Europa und die Hälfte unseres Kaders war nicht einmal volljährig. Natürlich sind wir alle etwas enttäuscht und hätten uns eine bessere Platzierung gewünscht, aber Rückschläge gehören einfach dazu. Insbesondere auf diesem internationalen Topniveau braucht es neben allem sportlichen Können, auch Erfahrung und eine gewisse Resilienz. Wir haben also viel Arbeit vor uns, aber wir kommen gestärkt zurück“.

Neuer Europameister wurde Frankreich, die in einem recht einseitigen Finale den Titelverteidiger England mit 1:0 besiegten. Gastgeber Italien sicherte sich etwas überraschend die Bronze Medaille durch einen 1:0 Sieg nach Verlängerung über Belgien. Das letzte Ticket für die Weltmeisterschaft 2026 in Buenos Aires (Argentinien) geht an Dänemark dank eines 2:1 Erfolges über Nordirland. Den siebten Rang holt sich Irland, das Spanien mit 2:0 im Platzierungsspiel bezwang.

Aufgrund der fehlenden  Fördergelder durch die öffentliche Hand stand die Teilnahme der deutschen Nationalmannschaft, trotz frühzeitiger Qualifikation, lange in den Sternen. Umso dankbarer sind wir für die tolle Unterstützung unserer Partner Biogen Deutschland, der HUMANS Stiftung und der Heinz Kettler Stiftung, Capri Shirt, Shirtle und natürlich den knapp 200 Unterstützenden unseres Fundraising Projekts. Dennoch mussten sich am Ende alle Spielerinnen und Spieler, sowie Trainer und Betreuende mit knapp einem Drittel der Gesamtkosten privat beteiligen.